Die Widersacherkräfte und ihre Wirkung 

in unserer Welt

Wie kann sich der Einzelne ein Bild davon machen, wie die Widersacherkräfte in der Welt wirken?

Wenn man heute von Widersacherkräften bzw. -mächten spricht, denken manche Menschen noch an den Teufel oder den Satan, der die Menschen zur Sünde verführen kann. Diejenigen, die sich jedoch schon längere Zeit von Religion und Geisterkenntnis abgewandt haben, werden die bösen Taten vielmehr direkt dem einzelnen Menschen zuordnen. In gewisser Weise haben jedoch beide Seiten recht. Denn der Einzelne führt die Tat aus, wird aber von Widersachermächten dazu verführt oder von ihnen stärker beeinflusst. 

Will man sich jedoch ein tieferes Verständnis über dieses Kräftewirken erarbeiten, kann es hilfreich sein, auf alte Weisheiten zurückzugreifen, die über deren Entstehung berichten. Sie liefern uns tiefere Einblicke in diese Geschehnisse und tragen erheblich zum besseren Verständnis ihrer Wirkungen bei. Gleichzeitig eröffnen sie die Möglichkeit, diese Betrachtung unabhängig von jeder Glaubensrichtung und von moralischen Vorurteilen zu beleuchten.

Wo finden wir geeignete Ansatzpunkte für unsere Betrachtung?

Um die Entwicklung der Widersachermächte zu verstehen, muss man weit in die Geschichte zurückgehen. Gleichzeitig soll sich die Betrachtung an verbindlichen Weisheitsquellen orientieren. Darum wurde für die nachfolgende Darstellung ein kleiner Text aus der Bhagavad Gita gewählt. Dabei beziehe ich mich auf eine Übersetzung von Heinz Grill 1), der ein Kenner des Sanskrit ist und einen entsprechenden Text in seinem Buch "Verborgene Konstellationen der Seele (Seite 78)" wie folgt übersetzt hat:

"Denkt ein Mensch an die Objekte, entsteht Bindung an diese. Aus der Verhaftung wird Verlangen geboren. Aus dem Verlangen erhebt sich der Zorn. Aus dem Zorn kommt Verblendung und aus der Verblendung der Verlust der Erinnerung. Aus dem Verlust der Erinnerung folgt die Zerstörung der Unterscheidungsfähigkeit. Ist die Unterscheidungsfähigkeit verloren, geht der Mensch zugrunde."

Nun ist die Bhagavad Gita mehrere tausend Jahre alt und es wird heute jedem einleuchten, dass in der damaligen Zeit die Menschen noch ein anderes Bewusstsein hatten, als heute. Zu dieser Zeit lebten die Menschen in einer stärkeren Verbindung mit der geistigen Welt und die Eingeweihten aus dieser Zeit vermittelten den damaligen Menschen, was ihnen die geistige Welt mitteilen wollte. So wurden den Menschen in der vergangenen Zeit Wahrheitsgedanken zu ihrer Orientierung mitgeteilt, wie sie ihr Leben zum Heil ihrer Seele einrichten können. In späteren Zeiten traten dann an die Stelle der Eingeweihten auch unterschiedlichen Religionslehren, die bis heute auch noch ihren Platz in der Welt haben.

So wie es die Widersachermächte gibt, so gibt es in der geistigen Welt auch die guten Mächte, die den Menschen in seiner Entwicklung fördern. Hier können wir die Engel, Erzengel und Archai benennen, die unterstützend für die Menschheitsentwicklung tätig sind. Auf der anderen Seite, der Seite der Widersacher, sprechen wir von Luzifer, Ahriman und Asura, die alles dafür tun, um die Entwicklung des Menschen zu hemmen. In ihrer gemeinsamen Arbeit wollen sie dem Menschen seine Freiheit nehmen, ihn vollständig an die physische Erde binden und ihn so verblenden, bis er jede Erinnerung an eine geistige Welt vollständig verliert. Dann aber würde der Mensch seine Entwicklung versäumen und als Menschenwesen zugrunde gehen.

Wie arbeiten die guten Wesenskräfte?

Sie inspirieren den Menschen mit Wahrheitsgedanken und unterstützen ihn dabei, seine Triebe und Begierden umzuwandeln in moralische Empfindungen und ethische Ideale, nach denen er sein Leben ausrichten kann. Trivial ausgedrückt kann man sagen, er handelt dann immer weniger aus rein egoistischen Motiven und immer stärker aus Motiven, die auf geistiger Ebene eine Wahrheit darstellen. Dies sind vor allem geistige Werte und Tugenden, die sich der Mensch in seinem Leben erringen kann.

Wie kann man nun dem Leser einen Eindruck vermitteln von einer Empfindung, die aus einem Wahrheitsgedanken entstehen kann? Stellen Sie sich ein kleines Kind im Alter zwischen ein und zwei Jahren vor, das ganz selbstvergessen auf einer Decke in einer Wiese sitzt. Die Sonne scheint und dieses kleine Kind lächelt und erfreut sich ganz selbstvergessen an den Blumen auf der Wiese. In diesem Moment ist das Kind ganz hingegeben an eine Sphäre, die man als frei, weit, vornehm und pietätvoll bezeichnen kann. Nun denke man sich, dass sich ein erwachsener Mensch intensiv mit einem Gedanken beschäftigt, der auf einer geistige Wahrheit beruht. Er hat ihn länger in seinem Bewusstsein gepflegt und bewegt, so dass sich bei ihm eine ähnliche Empfindung wie bei dem Kinde einstellt. Der Unterschied ist nur, dass die Empfindung bei dem Kind unbewusst und bei dem Erwachsenen bewusst ist. Er wird in sich ein sicheres Empfinden wahrnehmen können, dass dieser Gedanke einer universellen Wahrheit entspricht.

Wie kommt der heutige moderne Mensch zu Wahrheitsgedanken?

Diese Frage kann relativ leicht beantwortet werden. Solche Gedanken sind genau dort zu finden, wo der Mensch herkommt, aus der geistigen Welt. Der Mensch ist nicht nur ein physisches Wesen. Er hat auch eine Seele und ist geistbegabt. In allen Zeiten gab es Menschen, die sich tiefer mit den geistigen Zusammenhängen beschäftigt hatten. Diese Menschen waren in den Mysterienstätten tätig. In unserer Zeitepoche sind es die Geistesforscher wie Rudolf Steiner oder Heinz Grill. Hier sind aber auch viele Philosophen zu nennen – und in unserem Kulturraum auch ganz besonders Menschen wie Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller oder Richard Wagner, um nur einige anzuführen. Sie haben alle solche Wahrheitsgedanken erforscht und für die Menschen verfügbar gemacht. Solche Gedanken sind aber auch in den religiösen Urkunden niedergelegt, sei es in der Bibel, der Bhagavad Gita oder auch anderen religiöse Schriften. Jeder kann heute auf sie zurückgreifen. So kann man zusammenfassend sagen, dass es in der Freiheit des Menschen liegt, ob er mit dazu beiträgt, die Welt zu veredeln, indem er sich in seinem Handeln nach Wahrheitsgedanken ausrichtet oder ob er dazu beiträgt, die Welt zu destabilisieren, indem er sich ausschließlich von rein egoistischen Gedanken leiten lässt.

Wie arbeiten die bösen Wesenskräfte?

Nun kann der Eindruck entstehen, dass es dann doch relativ leicht sei für jeden Menschen, an einer besseren Welt mitzugestalten. Dieser Eindruck täuscht, denn die bösen Mächte arbeiten stets aus dem Verborgenen heraus und sind nicht leicht zu erkennen, wenn man sich nicht wirklich mit ihnen auseinander setzt. So sagte Johann Wolfgang von Goethe 2) schon: "Das Volk erkennt den Teufel nicht, auch wenn er es beim Kragen packt." So wie es bei den guten Wesen mehrere Ebenen gibt, so gibt es diese auch bei den bösen Wesen. Hier haben wir Luzifer, Ahriman und Asura, wie diese Wesen in der Anthroposophie benannt werden. Und sie sind in der aufgezählten Reihenfolge mit zunehmender Schädlichkeit anzusehen. Durch ihr Zusammenwirken haben sie gar die Macht, das einzelne Menschenwesen gänzlich zu zerstören, wobei hier nicht so sehr der physische Körper gemeint ist, sondern vielmehr das ganze Menschenwesen.

Wie arbeitet Luzifer am Menschen?

Luzifer hat die Gabe, den Wahrheitsgedanken abzulenken, ihn in eine andere Richtung zu führen. Damit bleibt der Mensch nicht in der wahren geistige Sphäre, sondern entwickelt für sich ein gefühlsmäßiges Bewusstsein mit dem Köper. Dies führt dann zu einer Identität mit seinem physischen Leib, der einer Vergänglichkeit unterliegt. So hat sich die geistbegabte Seele über die Jahrhunderte immer mehr mit dem Körper identifiziert und dabei ist ihr das Wissen um die Unsterblichkeit der Seele immer mehr verloren gegangen. Diese Identifikation lenkt die Gedanken der Menschen immer stärker in die physische Welt und deren Gesetzmäßigkeiten und die wahren Gedanken aus der geistigen Welt verlieren so für ihn immer mehr an Bedeutung. Luzifer hat seinen Sitz im Nerven-Sinnessystem des Menschen.

Wie arbeitet Ahriman am Menschen?

Ahriman hat seinen Sitz im Bauchraum des Menschen und führt den Menschen immer tiefer in die materielle Welt hinein. Durch Luzifer entsteht die Eitelkeit der Not für den physischen Körper. Daraus entsteht das Verlangen, das jetzt verstärkt auf die physische Welt gerichtet ist. Die ahrimanische Wesenheit hat eine tiefe Angst, etwas zu verlieren und aus dieser Angst entsteht der Zorn. Die Angst entwickelt sich aus dem Bauchraum und dem organischen Leben; und die aus dem Zorn sich entwickelnde Aggression zeigt sich in vielfältigen Verhaltensweisen in der Welt. Man kann sie in Jammern, Trotzigsein, Kritiksucht, Redewallungen, Wut, Überheblichkeit oder auch in Arroganz wahrnehmen. Damit verbunden ist ein tiefes Hinabstürzen in die Materie gegeben, das sich letztendlich gegen alles Geistige richtet und nur noch die Materie als wahr anerkennt.

Wie arbeitet Asura am Menschen?

Das asurische Wesen ist noch mächtiger als das ahrimanische Wesen und führt zu einer vollkommenen Verblendung des menschlichen Bewusstseins. Hier müssen bereits Lüge, Irrtum und eine gewisse Schwäche des Bewusstseins zusammenwirken, bevor dieses zerstörerische Wesen in den Willen des Menschen eindringen kann. Um die Wirkungsweise dieses Widersachers zu verstehen, ist es hilfreich, auf einen geistigen Zusammenhang – ein geistiges Gesetz – hinzuweisen. Das ICH des Menschen oder seine geistige Instanz, zieht sich aus seinem Tätigseins immer wieder zurück. 

Das ist leicht nachzuvollziehen, wenn Sie an einen Maler denken. Wenn er malt, ist sein ICH oder seine Konzentrationsfähigkeit ganz in den Prozess des Malens eingetaucht. Ist das Bild fertig, löst er sich von dem Ergebnis – dem fertigen Bild – und verkauft das Bild. Alles, was er in dem Prozess des Malens für seine Seele erringen konnte, hat er bereits in seiner Seele aufgenommen. Es gibt keinen Grund, sich noch weiter mit dem Bild zu identifizieren. Für das nächste Bild stehen ihm nun seine bisherigen Fähigkeiten zur Verfügung sowie die neuen, die er sich durch das Malen des letzten Bildes hinzu errungen hat. Er ist jetzt mit mehr Fähigkeiten ausgestattet und kann jetzt noch bessere Bilder malen. Es gibt also keinen Grund, sich mit dem Ergebnis seiner Tätigkeit – dem Bild – zu identifizieren. Sein ICH ist wieder frei und kann sich von diesem freien Stand aus wieder auf einen neuen schöpferischen Prozess einlassen. 

Versagt jedoch dieser Konzentrations- und Loslösungsprozess bei einem Menschen, setzt eine kanzerogene Wirkungsmacht ein und das fleischliche, willentliche Leben übernimmt die Führung. Der Mensch bindet sich dann auch an die Ergebnisse seiner Tätigkeit. Er verliert den Überblick über seine Schaffenskraft, begibt sich mit seinem ICH ganz in die Materie und in ihm wird das geweckt, was man allgemein als das Tier bezeichnet. Gewissermaßen taucht die "Krone der Schöpfung" vollständig in die Materie ein und unterliegt ganz den Gesetzen, denen auch die Tiere ausgeliefert sind. Es entwickelt sich eine zunehmende Dominanz und es entsteht ein dämonisch besetzter Körper, mit einer eigenen machtvollen Gesetzmäßigkeit. Dadurch verliert der Mensch seine Führung über sein Leben, sein Bewusstsein, seine Wahrnehmungsfähigkeit und sein seelisches Empfinden, da er dann nicht mehr an die geistige, schöpferische Kraft anknüpfen kann. Eine vollkommene Verblendung vor der geistige Welt tritt ein, da er jetzt nur noch durch das asurische Wesen gelenkt wird.

Mit dem Verlust der eigenen individuellen Führung und dem Eintreten der Verblendung, verliert der Mensch auch nach und nach sein Erinnerungsvermögen an die geistige Welt. Damit verbunden ist auch der Verlust der Fähigkeit der Unterscheidung, was noch einem Wahrheitsgedanken entspricht oder was nur den physischen Bedingungen unterliegt. Wenn der Mensch aber keine Unterscheidungsfähigkeit mehr besitzt, ist für ihn auch die Möglichkeit verloren, seine Triebe und Begierden in moralische Empfindungen und ethische Ideale umzuwandeln. Denn er weiß nicht mehr was Ideale – die auf geistigen Wahrheiten beruhen – sind und was nicht. Eine Entwicklung im Sinne eines seelisch-geistigen Voranschreitens ist ihm dann nicht mehr möglich. Damit ist er ganz den Widersacherkräften ausgeliefert und das Menschenwesen geht zugrunde.

Dieser Prozess ist in dem Vers der Bhagavad Gita bereits vor mehr als 4.000 Jahren den Menschen vermittelt worden. Und wenn man in unsere heutige Zeit hineinschaut, kann man den Eindruck gewinnen, dass wir gerade mit großer Geschwindigkeit in diesen Zerstörungsprozess hinein laufen. 

Wie haben die guten Mächte auf die Widersachermächte reagiert? 

Luzifer hat dem Menschen die Freiheit gebracht. Durch ihn wurde er fähig, nicht nur nach den Wahrheitsgedanken zu leben sondern auch aus eigener Kraft das Böse zu tun. Luzifer selbst will das Gute für den Menschen, aber er hasst den freien Willen des Menschen. Er will ihn zum Guten führen, aber automatisch. Er will ihn zum Automaten machen, ohne den freien Willen. Diesem Ansinnen von Luzifer haben die Engel eine heilsame Gegenkraft gegenüber gestellt. Diese besteht aus Krankheit, Leid und Schmerz. Wird der Mensch krank oder leidet er über längere Zeit, kann ihn dies nachdenklich machen und er kann sich wieder besinnen und die Richtung in seinem Leben neu ausrichten. Er kann sich dann wieder seiner Anbindung an die geistige Welt bewusst werden. Dies hat auch der Mystiker Meister Eckhard 3) mit folgenden Worten ausgedrückt:

"Das schnellste Ross zur Erkenntnis ist das Leid."

Ahriman wirkt noch stärker auf den Menschen ein. Er hasst alles Geistige und will, dass der Mensch sich nur noch mit der Physis beschäftigt. Er manipuliert die Menschen mit Suggestionen und Lügen und bindet sie an die "schöne" physische Welt. Er weckt die Begierden und das Verlangen nach den irdischen Gütern und schafft so eine große Abhängigkeit im Menschen, so dass sie immer mehr an das Irdische gebunden werden und ihre Beziehung zur geistigen Welt verlieren. So legt er gewissermaßen einen Schleier über alles, was mit geistigen Zusammenhängen in Verbindung steht. Als Gegenkraft haben die guten Mächte dem Menschen Tod, Wiedergeburt und Karma gebracht. So hat der Mensch immer wieder die Möglichkeit, mit jeder Wiedergeburt Verfehlungen aus vorhergehenden Leben auszugleichen und sich wieder weiter zu entwickeln. Er muss sich dazu aber immer wieder auch der geistigen Welt zuwenden.

Asura entfaltet nun die größte Macht, um den Menschen ganz der geistigen Welt zu entfremden. Er will die vollständige Verblendung des Menschen, so dass er jeden Halt in der Welt verliert. Er zielt auf die Zerstörung seiner höchsten Geistsubstanz, auf sein ICH. Er reißt gewissermaßen Stücke aus seiner ICH-Substanz heraus, die dann unwiederbringlich verloren sind. Hier gibt es auch keine Heilkräfte durch die guten Mächte. Dort, wo das asurische Wesen tätig ist, tritt unwiederbringlich ein Verlust der ICH-Kraft des Menschen ein.

Wie zeigt sich dieser Prozess in unserer heutigen Zeit?

Damit der Leser diesen Prozess etwas besser nachempfinden kann, will ich diesen Ablauf an drei fiktiven Personen verdeutlichen. Jede Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind dabei jedoch rein zufällig und nicht beabsichtigt. Es kann sein, dass der geschätzte Leser das gewählte Beispiel etwas übertrieben empfindet. Dies bitte ich zu entschuldigen, da diese Form nur gewählt wurde, um die Unterschiede zwischen den Widersacherkräften etwas deutlicher heraus zu arbeiten.

Stellen wir uns ein fiktives Pflegeheim vor, in dem viele ältere Menschen leben, teils mit und ohne Erkrankungen, die dort ihren Lebensabend verbringen. Es werden dort auch in regelmäßigen Abständen verschiedene Aktivitäten wie Singen, Tanzen, Basteln oder gemeinsame Spiel- und Diskussionsabende angeboten, an denen jeder teilnehmen kann. Viele erhalten auch regelmäßigen Besuch von ihren Freunden, Kindern und Enkeln, so dass sie doch noch recht lebendig am Leben teilhaben können. Dort gibt es auch eine Pflegekraft, nennen wir sie Maria, die diesen Beruf aus der Überlegung heraus gewählt hatte, einen Beitrag zu leisten, dass ältere Menschen auch im hohen Alter noch in Würde ihren Lebensabend verbringen können.

Das neue Szenario in unserem fiktiven Beispiel

Plötzlich ändert sich die Situation dramatisch. Eine Pandemie wird in unserem fiktiven Land ausgerufen. Es wird verkündet, dass ein tödliches Virus umgeht, das einen qualvollen Tod bringen kann. Es wird ein größtmögliches Angstszenario aufgebaut und die Menschen werden angehalten, in ihren Wohnungen zu bleiben, Masken zu tragen und Anstand zu anderen Menschen einzuhalten. Alle öffentlichen Veranstaltungen werden verboten, nicht systemrelevante Geschäfte geschlossen und das ganze kulturelle Leben wird verbannt. Es werden viele Verhaltensregeln aufgestellt, die auch ganz besonders für die Pflegeheime verbindlich sind, da man der Meinung ist, dass das Virus für die alten Menschen besonders gefährlich ist.

Die Situation von Maria

Auch unsere Maria wird von der Angst ergriffen. Die Leitung ordnet in kurzer Zeit die Isolierung der Bewohner in ihren Zimmern an. Alle Veranstaltungen werden gestrichen und Begegnungen in der Einrichtung werden unterbunden. Das Essen wird den Bewohnern auf die Zimmer gebracht und diejenigen, die von Demenz betroffen sind und sich nicht mehr an die Regeln halten können, werden in ihren Zimmern eingesperrt. Maria trägt, wie alle in der Einrichtung, eine Maske und befolgt aus Angst auch alle Regeln. Sie ist fest davon überzeugt, dass sie nur so mit dazu beitragen kann, dass niemand angesteckt wird und sie selbst so auch dem Virus entkommen kann. Als erste Wissenschaftler versuchen, Entwarnung zu geben und aufzeigen, das Masken kein gutes Mittel für die Vermeidung des Virus sind, verwirft Maria solche Nachrichten als Verschwörungstheorien. Sie will sich damit nicht auseinander setzen. Zwar tun ihr die Bewohner leid, die sehr unter der Isolierung leiden, aber in diesen besonderen Zeiten braucht es auch besondere Maßnahmen. Sie ist froh, dass ihre Leitung so schnell regiert hat und klare Regeln vorgibt, an die sie sich halten kann.

Hier wirkt ganz stark das luziferische Wesen

Warum? Die Angst vor dem Virus lähmt das Denken von Maria. Sie ist nicht mehr in der Lage, eigene Überlegungen zu den Ereignissen anzustellen. Auch als mehrfach andere wissenschaftliche Sichtweisen kundgetan werden, lehnt sie eine tiefere Auseinandersetzung ab. Statt dessen befolgt sie weiter alle Regeln, die ihr vorgegeben werden und findet dies auch in Ordnung. Erinnern wir uns, Maria wollte mit dazu beitragen, die Würde der alten Menschen zu erhalten. Diese Sicht beruht auf einem Wert aus der geistigen Welt. Auch jetzt will Maria noch zum Guten beitragen, doch das Motiv ist Angst und nicht mehr die Würde für die Menschen. Durch die Weigerung, sich selbst einen eigenen Standpunkt zu erarbeiten, darüber, was wirklich wahr ist, hat sie ihre Freiheit im Geiste aufgegeben. Damit hat Luzifer ihren ursprünglichen Wahrheitsgedanken abgelenkt, sie unfrei gemacht und sie jetzt nach irdischen Regeln gelenkt. Sie ist ein "Gutmensch" geworden, aber nicht aus einer individuellen Auseinandersetzung mit ihren geistigen Zielen, sondern aus einer angstvollen Unterordnung gemäß der physischen und damit luziferischen Regeln.

Die Situation des Heimleiters

Er hatte vor zwei Jahren die Leitung übernommen, da er dort eine erhebliche Gehaltssteigerung realisieren konnte. Er hatte sich vor vier Jahren eine kleine Villa gekauft und sich hoch verschuldet. Auf seinen ausgedehnten Lebensstil will er nicht verzichten, schließlich arbeitet er auch viel und da steht ihm das schließlich zu. So hat er auch eine Bonusvereinbarung, die ihm bei hoher Auslastung der Einrichtung eine deutliche Gehaltsergänzung sichert. Diese Auslastung konnte er in den letzten sechs Monaten realisieren. Er hält zwar die Maßnahmen auch für etwas übertrieben, nachdem erste wissenschaftliche Ergebnisse vorliegen, da diese vor allem den älteren Menschen nicht entgegenkommen, aber er will auf keinen Fall die Investoren verärgern, die nur auf die Zahlen schauen. So hat er auch eine Stelle, die wegen Elternzeit seit mehreren Monaten nicht mehr besetzt war, nicht nachbesetzt, um die Kosten noch etwas geringer zu halten. Als sich die Mitarbeitenden darüber beschwerten, sagte er ihnen, dass er noch keine geeignete Person als Ersatz gefunden habe. Das entspricht zwar nicht der Wahrheit, aber in der Pandemie ist ja deutlich weniger zu tun und daher kann er diese Kosten leicht einsparen. Er weiß zwar auch, dass seine Bewohner leiden, aber schließlich ist es ja die Regierung, die diese Maßnahmen angeordnet hat und er ist ja nur derjenige, der sie umsetzt. Wenn damit auch der Profit angehoben werden kann, ist im nächsten Jahr auch gut mit einer Gehaltsanhebung zu rechnen. Die Pandemie kommt ihm auch sehr entgegen, da alle internen Veranstaltungen wegfallen, was ebenfalls die Kosten reduziert und ihm weniger Arbeit bereitet. So kann er sich häufiger seinen exklusiven Hobbys widmen, was ihn sehr freut. Die Pandemie kann so für ihn schon als wahrer Glücksfall betrachtet werden.

Hier wirkt ganz stark das ahrimanische Wesen

Warum? Ein Motiv mit geistigem Hintergrund ist nicht mehr zu erkennen. Umso mehr aber ist das ganze Ansinnen des Leiters mehr auf sich und seine persönliche egoistische Situation ausgerichtet. Dabei ist er sich nicht zu schade, auch die eine oder andere Lüge einzusetzen, wenn es seinen persönlichen Zielen zugute kommt. Er kann zwar erkennen, dass die Menschen, die ihm anvertraut sind, leiden, aber für die Regeln fühlt er sich nicht verantwortlich. Ebensowenig ist ein Bemühen wahrzunehmen, die Situation im Rahmen seiner Möglichkeiten für die Bewohner zu verbessern. Statt dessen freut er sich, dass er durch die Pandemie und den Wegfall der bisherigen Aktivitäten für die Bewohner noch mehr seinen individuellen Neigungen nachgehen kann.

Die Gedanken einer Moderatorin einer großen Sendeanstalt

Als drittes Beispiel schauen wir auf die Gedanken einer fiktiven Moderatorin einer sehr großen Fernsehanstalt. Die Redaktionssitzung ist gerade zu Ende gegangen und sie stellt gerade folgende Überlegungen an: 

"Meine Teamleiterin hat zum dritten Mal die sentimentale Bemerkung gemacht, dass man die neuen Maßnahmen den Kindern doch nicht zumuten könne. Der Chefredakteurin war anzusehen, dass sich meine Teamleiterin damit an eine rote Linie herangewagt hatte. Die dumme Nuss hat noch nicht begriffen, das dies hier niemanden interessiert. Aber mir soll es recht sein, wenn ihr Stuhl wackelt. Ich könnte ihren Platz schnell einnehmen. Eine höhere Gehaltsklasse käme mir ebenfalls sehr gelegen. Derzeit stehen meine Chancen auch besonders gut. Keiner versteht es derzeit so gut wie ich, die Vorgaben in den Talkshows so umzusetzen, wie es die Leitung vorgibt. Diese korrupten Politiker und Pseudowissenschaftler folgen recht willig meinen vorherigen Absprachen. Ich brauche ihnen nur eine weitere Sendung in Aussicht zu stellen oder einen ihrer Schwachpunkte anzudeuten und schon sind sie wie Wachs in meinen Händen. Schließlich kann man sich heute jede Studie kaufen, mit der man selbst den größten Unsinn beweisen kann. Eine wahre Wissenschaft gibt es schon lange nicht mehr. Ich sollte meine Gesichtskorrektur in der Klinik verschieben. Jetzt gilt es, einige geschickte Manipulationen zu platzieren und ich werde Teamchefin. Schließlich will ich mit 50 ganz aus diesem Irrsinn aussteigen und bis dahin muss ich mitnehmen was mitzunehmen ist. Danach werde ich mein Leben genießen. Jeder weiß doch, dass es nur darum geht, soviel mitzunehmen wie geht, denn wenn das Leben vorbei ist, ist es vorbei."

Hier wirkt ganz stark das asurische Wesen

Warum? Während Luzifer die größte Identifizierung mit dem Körper und dessen Schönheit und Jugendlichkeit erreicht hat, ist es Ahriman gelungen, den Fokus ganz an die materielle Ebene zu binden. Damit ist der Weg für das asurische Wesen genügend vorbereitet, um eine vollständige Verblendung herbeizuführen. Jegliche menschliche Empathie ist bereits verloren, eine wirkliche Wahrheit ist nicht mehr erkennbar und die eigenen Hemmungen, gegen andere zu integrieren, sind ebenfalls schon lange gefallen. Die Moderatorin ist ganz in den Händen der Widersachermächte und hat selbst jegliche Anbindung an Ethik, Moral und die geistige Welt verloren. Die Unterscheidungsfähigkeit, was geistig wahr und was falsch ist, besteht nicht mehr und das Menschenwesen ist auf Dauer gänzlich verloren. Hier hat sich das Zitat der Bhagavad Gita:

"Denkt ein Mensch an die Objekte, entsteht Bindung an diese. Aus der Verhaftung wird Verlangen geboren. Aus dem Verlangen erhebt sich der Zorn. Aus dem Zorn kommt Verblendung und aus der Verblendung der Verlust der Erinnerung. Aus dem Verlust der Erinnerung folgt die Zerstörung der Unterscheidungsfähigkeit. Ist die Unterscheidungsfähigkeit verloren, geht der Mensch zugrunde." 1)

vollständig realisiert. Vielleicht sagt hier der Kritiker, diese fiktiven Beispiele seien doch sehr stark übertrieben. Dem stimme ich gerne zu. Ich wollte damit lediglich eine größere Differenzierung der Einflussnahme durch die Widersachermächte herausarbeiten. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass uns die Geisteswissenschaft zeigt, dass die asurischen Wesen gerade in unserer Zeit erst langsam ihre Tätigkeit aufnehmen. Sie haben noch lange nicht ihre Kräfte zum vollen Einsatz gebracht. Diese werden sich noch in einem Maße entfalten, dass ich selbst diese mit meinen schlimmsten Gedanken nicht darzustellen vermag.

Wie kann der Einzelne diesen negativen Kräften widerstehen?

Im Grunde ist die Frage leicht zu beantworten. Wir benötigen eine gesunde Integrität. Das bedeutet, wir müssen wach und wahrhaftig auf festem Boden in der Welt stehen und müssen ebenso die Anbindung an die geistigen Wahrheitsgedanken pflegen. Wenn ich es anders ausdrücke, kann ich sagen, dass wir nicht nur eine nehmende Haltung, sondern auch eine gebende Haltung dem Leben gegenüber einnehmen müssen. Beide Seiten sollten ausgewogen sein. Überwiegt nur das egoistische Prinzip in unserem Leben, verfallen wir immer mehr dem Materialismus; überwiegt nur das idealistische Prinzip in unserem Leben, entfernen wir uns mehr und mehr von der irdischen Welt. Wir benötigen Ideale, die auf geistigen Wahrheiten beruhen, denen wir durch unsere Tätigkeit in der Welt Geltung verschaffen, indem wir sie selbst leben. So wie Mahatma Ghandi 4) sagte:

"Sei Du die Veränderung, die Du Dir in der Welt wünschst."

Ganz praktisch gesehen bedeutet dies, dass wir uns für unsere Tätigkeit eine solide Fachkunde erarbeiten, dass wir mit unseren Mitmenschen gute, ehrwürdige Beziehungen pflegen und auch unsere seelisch-geistige Entwicklung nicht vernachlässigen. Der Mensch steht immer zwischen Himmel und Erde und je mehr er gestalterisch in der physischen Welt tätig sein will, umso mehr geistige Inspirationen benötigt er dazu, um sich nicht selbst den Widersachermächten auszuliefern oder von diesen zu stark ergriffen zu werden. 


Erich Decker 


Quellen:

1) Dieses Zitat ist von Heinz Grill, Geistforscher, Heilpraktiker, spiritueller Lehrer und Alpinist, der sich vor allem auch darum bemüht, den Menschen Möglichkeiten anzubieten, ihren Heilungsprozess auch durch eine individuelle seelisch-geistige Aktivität förderlich zu unterstützen. Er beherrscht auch die Sanskrit-Sprache und hat viele Darstellungen der Bhagavad Gita  in eine für die heutige Zeit verständliche Übersetzung gebracht. Der Vers ist aus dem Buch von Heinz Grill "Verborgene Konstellationen der Seele (Seite 78)" entnommen. Wer sich auch über seine aktuellen Hinweise zur Corona-Situation informieren will, dem sei seine Website empfohlen: https://heinz-grill.de

2) Das Zitat ist von Johan Wolfgang von Goethe (1749 - 1832), der ein deutscher Dichter und Naturforscher war. Er gilt als einer der bedeutendsten Schöpfer deutschsprachiger Dichtung. Goethes literarisches Werk umfasst Lyrik, Dramen, Epik, autobiografische, kunst- und literaturtheoretische sowie naturwissenschaftliche Schriften.

3) Das Zitat ist von Meister Eckhart, der um 1260 in Thüringen geboren wurde und ein einflussreicher thüringischer Theologe, Philosoph und Mystiker war. Er trat in den Orden der Dominikaner ein, in dem er später hohe Ämter erlangte. Mit seinen Predigten erzielte er nicht nur bei seinen Zeitgenossen eine starke Wirkung, sondern beeindruckte auch die Nachwelt. 

4) Das Zitat ist von Mahatma Mohandas Karamchand Gandhi (1867 - 1948) der ein indischer Rechtsanwalt, Publizist, Morallehrer, Asket und Pazifist war, der zum geistigen und politischen Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung wurde. Die sogenannte "große Seele" kämpfte ohne Waffen und Gewalt für den Frieden seiner Landsleute. Er veränderte die Welt, indem er die Inder in seinem Land sowie in Südafrika in die Unabhängigkeit leitete. 

 Der Artikel als Dokument 

Erich Decker, Jahrgang 1953, war nach dem Studium zum Dipl.-Wirtsch.-Ing. viele Jahre in leitenden Funktionen in der Computerindustrie tätig. Seit 1992 arbeitet er als freiberuflicher Berater und Trainer und gründete 2001 das "IZP-NET Impulse zur Persönlichkeit“. Seine Schwerpunkte: Führung, Teamentwicklung, Mediation und Coaching. Sein Ziel: Neben fachlichen Impulsen auch spirituelle Inhalte zu vermitteln, damit sich der Mensch im Arbeitsumfeld nicht nur fachlich, sondern auch seelisch und geistig entwickeln kann.